Das Lesen wird besonders von der STIFTUNG LESEN mit verschiedenen Aktionen gefördert. Vor allem Schüler sind aufgefordert, ihre Lieblingsbücher kurz vorzustellen.
Jährlich wird an unserer Schule der >> Vorlesewettbewerb durchgeführt.
Außerdem nahmen die Klassen 5a und 7b an der diesjährigen Aktion
>>"Bücher im Wind" teil. Dabei konnten die Schüler ihre Lieblingsbücher kurz vorstellen.
Vorlesewettbewerb 2010
Ein Bericht von unserer Schulsiegerin
Am Donnerstag, den 25. Februar 2010 fand endlich der Kreisentscheid statt. Der Beginn um 15.00 Uhr überschnitt sich zwar mit meinem Nachmittagsunterricht, was sich aber regeln ließ. Meine Eltern kutschierten meine Freundinnen und mich zum Rathaussaal in Freilassing, wo auch meine Großeltern zu uns stoßen wollten.
Dort angekommen, mussten wir den Ort des Geschehens nicht lange suchen; wir folgten einfach der Menge an Kindern. Im Saal selber setzte ich mich an den mit meinem Namen gekennzeichneten Platz gegenüber von den Zuschauern. Meine Freundinnen nahmen ganz hinten Platz, einerseits, weil vorne schon alles besetzt war, andererseits, weil sie niemandem mit den selbstgemachten Plakaten die Sicht nehmen wollten. Auch meine Deutschlehrerin, Frau Loftus, und mein Englischlehrer, Herr Ertl, waren da (Letzterer allerdings nicht wegen mir).
Zu Beginn begrüßte Frau Gertzen vom Kulturreferat der Stadt Freilassing alle 10 Teilnehmer aus den verschiedenen Haupt-, Realschulen und Gymnasien des Landkreises sowie alle Zuschauer und die Jury. Diese bestand aus verschiedenen Lehrern, Buchhändlern, dem Kulturreferenten der Stadt, der den Bürgermeister mit einer kleinen Rede vertrat, und den Kreissiegerinnen des Vorjahres.
Dann wurde die Reihenfolge der Leser ausgelost. Ich zog doch tatsächlich die Nummer 1, womit ich überhaupt nicht zufrieden war. Aber es ließ sich nicht ändern und dann hatte ich es wenigstens gleich hinter mir.
Ich las 5 Minuten aus dem Buch "Igraine Ohnefurcht" von Cornelia Funke vor. Danach stellte mir Herr Unterreiner von der Jury noch eine kleine Frage zum Buch, die ich aber zum Glück ohne Probleme beantworten konnte. Dann zog sich das Vorlesen der anderen ewig hin und mir fiel es von Minute zu Minute schwerer, still zu sitzen.
Endlich begann das Vorlesen des unbekannten Textes, und zwar aus dem Buch "Tote Maus für Papas Leben" von Marjolijn Hof. Natürlich musste ich auch dort zuerst vorlesen und währenddessen lasen sich die anderen ihren Text schon mal durch. Dann hatte ich es endlich geschafft und war unendlich erleichtert. Schließlich zog sich die Jury zur Beratung zurück. In der Pause gab es Krapfen und Getränke, die ich allerdings vor lauter Aufregung nicht anrührte.
Dann war endlich die Verteilung der Urkunden. Nachdem der Gewinner der Hauptschulen bekannt gegeben worden war, begann der Kulturreferent auch schon mit den Realschulen und Gymnasien, die zu einer Kategorie zusammengefasst worden waren. Schüler für Schüler wurde nach vorne gerufen. Und dann wurde mein Name genannt. In den ersten Momenten war ich sehr enttäuscht, aber ich hatte mein Bestes gegeben und es hatte eben nicht gereicht. Der Gewinner aus dem Gymnasium Berchtesgaden war an diesem Tag einfach besser gewesen.
(Frauke Witthoft, 6a)
Aktion "Bücher im Wind"
Leseforum
Schüler geben Schülern Lesetipps. Dies ist die Idee unseres Leseforums. Hier finden sich Rezensionen von Schülern aller Jahrgangsstufen.
Im weiteren oder im engeren Sinn beziehen sie sich alle auf den Unterricht: einfach nur, weil die Schüler zum Lesen angeregt werden oder da ein bestimmter Sachverhalt aus dem Unterricht unter einem ganz anderen Blickwinkel, z. B. in einem geschichtlichen Roman oder in einem Sachbuch, dargestellt wird.
Jeder, der ein Buch vorstellen will, wende sich also an seinen Deutschlehrer oder an einen Lehrer mit dem Fachgebiet, dem das Buch zugeteilt werden kann; der wird die Besprechung dann weiterleiten, so dass sie auf der Homepage erscheinen kann.
Bei unserer Aktion haben wir uns an das Online-Journal "lesepunkte" angelehnt und von dort auch die Richtlinien für die Rezensenten übernommen.
Unter http://www.lesepunkte.de/ findet man viele wertvolle Lektürevorschläge für Kinder und Jugendliche, vor allem auch Besprechungen von Neuerscheinungen.
(M. Bauer-Gantner)
Richtlinien für die Leseempfehlungen
Inhaltliche Kriterien:
• In einer Leseempfehlung stellst Du einem möglichen Leser ein Buch vor. Dazu musst Du den Inhalt kurz wiedergeben und dabei auch den Aufbau des Buches beschreiben. Darüber hinaus solltest Du Stellung nehmen zum Buch und Deine persönliche Wertung formulieren.
• Bei Sachbüchern kommt es zusätzlich darauf an, dass Du auch die Art und Weise, wie das Thema aufbereitet wird, beachtest (z.B. Bilder, Verständlichkeit der Sprache. Worüber will das Buch berichten und gibt der Autor an, woher er sein Wissen nimmt? Wie beweist er seine Aussagen? Überzeugt er Dich?).
• Arbeite die Stärken und Schwächen des vorgestellten Buches deutlich heraus. Dazu gehören die Lesbarkeit und die sprachliche Verständlichkeit des Textes, bei Romanen auch, wie spannend die Geschichte erzählt wird.
Folgende Fragen können Dir dabei helfen:
• War der Handlungszusammenhang des Buches überzeugend? Wie ist das historische Umfeld dargestellt, in dem die Handlung spielt? Beruht die Geschichte auf einer wahren historischen Begebenheit?
• Du solltest auch eine ansprechende Ausstattung des Buches (Bilder, Worterklärungen, Karten etc.) erwähnen.
• In Deiner persönlichen Wertung kannst Du deutlich machen, warum das betreffende Buch (nicht) weiter empfohlen werden kann. Wichtig ist immer, dass Du also nicht bloß sagst, ob Dir das Buch gefällt oder nicht, sondern dass Du Deine Aussagen auch begründest.
• Du kannst das Buch auch in einen größeren Zusammenhang stellen und es mit anderen Büchern vergleichen, die das gleiche Thema behandeln oder in der gleichen Epoche angesiedelt sind.
Formale Hinweise zur Textgestaltung:
• Für die Lesbarkeit am Bildschirm ist es ganz wichtig, dass die Leseempfehlung nicht zu lang wird. Dein Text sollte mindestens 3000 Zeichen, aber nicht mehr als 6000 Zeichen (mit Leerzeichen) enthalten.
• Weiterhin kommt es der Lesbarkeit am Bildschirm zugute, wenn Du kurze Sätze formulierst und mehrere Absätze einfügst, die Deine inhaltliche Struktur erkennen lassen.
• Auslassungen in Zitaten kennzeichnest Du mit eckigen Klammern: [...].
• Die Funktion "Silbentrennung" sollte in den Leseempfehlungen nicht aktiviert sein. Ebenso solltest Du auf andere Formatierungsmerkmale (fett, kursiv, etc.) verzichten und keine manuellen Zeilenumbrüche einfügen.
• Am Ende einer Leseempfehlung steht der vollständige Name der Schülerin/ des Schülers mit Angabe der Klassenstufe. Außerdem wird der Name der betreuenden Lehrperson angegeben.
• Gib dem besprochenen Buch Deine Lesepunkte, bis zu fünf Punkte können vergeben werden:
○○○○○ 0 Punkte: nicht lesenswert.
●○○○○ 1 Punkt: muss man nicht gelesen haben.
●●○○○ 2 Punkte: durchschnittliches Buch.
●●●○○ 3 Punkte: gutes Buch, empfehlenswert.
●●●●○ 4 Punkte: sehr gutes Buch.
●●●●● 5 Punkte: außergewöhnliches Buch, unbedingt lesen!
Schüler empfehlen ihre Lieblingsbücher
Rajaa Alsanea, Die Girls von Riad
Aus dem Arabischen von Doris Kilias, München 2007,332 Seiten.
In dem Buch "Die Girls von Riad" schildert Rajaa Alsanea Lebensausschnitte vierer Freundinnen, durch welche die unterdrückte und unterworfene Stellung der Frau in Saudi- Arabien realitätsnah verdeutlicht wird.
Rajaa Alsaneas Anliegen ist ursprünglich, die Wahrheit über das Leben der Frau und wie junge Leute in Saudi- Arabien denken an die Öffentlichkeit zu bringen. Da sie selbst Saudi ist, weiß sie, dass sich jede Frau dort mehr Mitspracherecht wünscht. Somit veröffentlicht sie an dem Ort, an dem am schnellsten etwas publik wird, im Internet. Sie verschickt jeden Freitag E- mails, in denen es um die vier Liebesgeschichten ihrer Freundinnen geht. Es gelingt ihr, damit große Aufmerksamkeit in der arabischen Gesellschaft zu wecken. Viele ihrer Leser schalten sich in die Diskussion ein. Da Rajaa Alsanea mit diesen E- mails nicht nur in Saudi- Arabien Erfolg hatte, werden diese letztendlich zu einem Roman zusammengefasst.
Es wird von den vier Freundinnen erzählt, die in der saudi- arabischen Hauptstadt Riad leben. Nach außen wirken diese Frauen wegen ihrer Ausstattung mit neuester Technik, wie die aktuellsten und technisch fortgeschrittensten Handys und modischster Kleidung glücklich und zufrieden. Jedoch regieren leider auch in dieser reichen Oberschicht die Männer das Leben der Frauen.
So wird Kamra mit Rachid al- Tanbal verheiratet, den sie gar nicht liebt. Obwohl sie ein Kind von ihm erwartet, reicht er die Scheidung ein, da er sich in eine andere Frau verliebt hat. Anfangs scheint es so, als hätte Sadim mehr Glück, da sie sich in Walid verliebt und er sich auch mit ihr verlobt. Nachdem sie sich ihm jedoch vor der Hochzeitsnacht hingibt, ist er auf und davon. Ein Saudi will ein unberührtes Mädchen heiraten! Sie lernt Firas kennen und lieben, der sie auch voll und ganz liebt. Er trennt sich jedoch später von Sadim, da er von seiner Familie mit einer anderen Frau verlobt wird und sich nicht einmal der Liebe wegen gegen seine Familie wehrt. Michelle lernt ihre große Liebe Failsal kennen, der selbst Hals über Kopf in sie verliebt ist. Jedoch unterwirft sich auch er seiner Familie und bricht den Kontakt zu ihr ab, da er sie nicht heiraten darf, weil sie Halbamerikanerin ist. An Sadim und Michelles Männern wird deutlich, dass sich die Männer in Saudi- Arabien ihren Traditionen, ihrer Kultur und ihren Familien unterwerfen, auch wenn es sie die große Liebe kostet. Lamis lernt nach einer Niederlage mit Ali Nizer kennen, bei dem sie sich regelrecht einen Plan macht, wie sie vorgehen muss, um nicht von ihm abgeschoben zu werden. Dies führt letztendlich dazu, dass sie glücklich mit ihm verheiratet ist und ein Kind von ihm bekommt. An diesen Lebensausschnitten ist sehr gut zu erkennen, dass leider Männer in Saudi- Arabien das Leben der Frauen regieren!
Rajaa Alsanea verdeutlicht einem in diesem Roman sehr gut, dass etwas an der Stellung der Frau geändert werden müsse. Sie stellt sich schon mit ihren E- mails gegen die Männerwelt. Diese wollen natürlich nicht, dass das unterdrückte, z. T. sogar menschenunwürdige Leben so publik wird.
Ich gebe diesem Buch fünf Lesepunkte, da es einem sehr viele Informationen über die saudi-arabische Kultur liefert. Es ist sehr anschaulich, aber auch leicht zu lesen. Es beruht auf wahren Begebenheiten. In den E–mails lässt die Autorin ihren Gefühlen in einer zeitgemäßen Alltagssprache freien Lauf, wodurch sich der Leser unmittelbar angesprochen fühlt. Unter anderem ist dieses Buch auch für Jungs empfehlenswert, da man sehr viel über die Lebensweise und Stellung von Männern, die in einer anderen Kultur leben, erfährt.
5 Lesepunkte
(Sophie Schröger, 10 d)
Ulrich Plenzdorf, Rüdiger Dammann, Ein Land genannt die DDR
S.Fischer Verlag, 2005, 206 Seiten
In dem Buch "Ein Land genannt die DDR", herausgegeben von Ulrich Plenzdorf und Rüdiger Dammann berichten Zeitzeugen über das Leben in der Deutschen Demokratischen Republik. Die insgesamt acht Autoren, die bei der Auflösung der DDR 1990 zwischen 31 und 64 Jahre alt waren, schildern sehr eindrucksvoll ihre persönlichen Erfahrungen, wodurch man einen guten Einblick in das Leben der insgesamt 41-jährigen Geschichte der DDR erhält.
Anhand von DDR-Lebensläufen, die ergänzt werden von historischen Sachtexten in kleinen Infoboxen, erfährt der Leser, wie man in der DDR gelebt, geliebt und gelitten hat. Uns Jugendlichen ist das heute oft fremd; insofern ist dieses Buch eine sehr gute Informationsquelle. Die Sprache ist leicht zu verstehen und Bilder des Buchillustrators Klaus Ensikat laden an vielen Stellen zum Schmunzeln und Nachdenken ein.
Die acht Autoren, der Politologe Claus Leggewie, die Journalisten Holde-Barbara Ulrich, Daniela Dahn und Alfred Roesler-Kleint, sowie der Schriftsteller Erich Loest und der Zeichner Peter Ensikat stammen alle, bis auf eine Ausnahme, aus dem Osten. Diese Kombination ermöglicht es, die Trennung Deutschlands aus zweierlei Blickwinkeln zu betrachten.
Claus Leggewie ist der einzige Westdeutsche, der im Buch zu Wort kommt. Er berichtet im ersten Kapitel über die verwickelte Nachkriegszeit, die letztendlich zur Deutschen Teilung geführt hat.
Im zweiten Kapitel beschreibt Holde-Barbara Ulrich ihr Leben: Zuerst war sie begeisterte Pionierin, die in ihrem Glauben an die DDR das erste Mal stark erschüttert wurde, als sie die glitzernden West-Glaskugeln ihrer Freundin bewundern durfte. Schließlich musste sie sogar erfahren, dass sie trotz SED-Zugehörigkeit und innerer Überzeugung vom System nicht dem Vater ihres Kindes nach Namibia folgen durfte. Was zählte schon die Liebe zu einem Mann, wenn es um die Liebe zum Vaterland ging?
„Ein ganzes Land war heimlich auf der Flucht“, behauptet Alfred Roesler-Kleint im fünften Kapitel Wie dies gemeint war, zeigt folgende Textstelle:
„Außer mir wusste keiner vom Tunnel unterm Brandenburger Tor. Drei Meter unter der Mauer, weiß gekachelt, sehr hell vom Neonlicht. Benutzt wurde er selten. Jedes Mal wenn ich herkam, war ich allein. Er war wohl Diplomaten, Handelsreisenden und Spionen vorbehalten. Eigenartig war nur, dass der Tunnel keinen Eingang hatte. Man kam auch nicht wieder hinaus. Man steckte einfach nur drin und wachte schweißgebadet auf. Den Tunnel gab es nur in meinem Traum - einem Mauertraum von vielen. ( S.143 )
Aus diesen Schilderungen ehemaliger DDR-Bürger kann man sich einen guten Überblick über die Realität in Ostdeutschland verschaffen. Sie sind sehr lebendig geschrieben und regen so immer wieder zum Weiterlesen an. Andererseits kann man sich aber auch einzelne Kapitel herausgreifen. Auf jeden Fall ist es eine gute Ergänzung zum Geschichtsunterricht der 10. und 13. Klasse, sowie ein lesenswertes Buch für alle, die mehr über die DDR wissen wollen.
Ich vergebe 4 von 5 Lesepunkten, weil ich es sehr interessant und faszinierend finde, das Leben in der DDR von Zeitzeugen geschildert zu bekommen. Man erfährt viel Neues und auch Erschreckendes, wovon man zuvor keine Ahnung gehabt hat.
Dafür, dass der Leser aber am Anfang des Buches mit sehr vielen geschichtlichen Informationen überrumpelt wird, und man meiner Meinung nach am besten schon Vorwissen über die DDR haben sollte, ziehe ich dem Buch einen Lesepunkt ab.
4 Lesepunkte
(Lisa Ratzesberger, 10 d)
Avi, Das Gold des Alchemisten
BELTZ & Gelberg, 2006, 266 Seiten
"Das Gold des Alchemisten" von Avi bietet eine gelungene Mischung aus grausamen Mittelalter und Fantasie. Wer eine lebendige Vorstellung vom Mittelalter haben möchte, sollte dieses Buch unbedingt lesen.
Das Buch „Das Gold des Alchemisten“ von Avi, übersetzt aus dem Englischen von Anna Blankenburg, erzählt die tragische Geschichte des 13-jährigen Mädchens Sybil und des sprechenden Raben Odo. Sie sind Angestellte des Alchimisten Thorston. Thorston ist ein sehr alter Mann, der es sich zur Aufgabe gesetzt hat, ewig zu leben. Dies hindert ihn jedoch daran, sein richtiges Leben zu leben, so dass er immer mehr verkümmert. Er liegt im Sterben, als er sich gerade mit einigen sehr merkwürdigen Zutaten ewiges Leben verschaffen möchte: Dafür braucht er unter anderem schwarze Rabenfedern und den Atem eines jungen Mädchens. Da kommen ihm Sybil, die er als hungerndes und abgemagertes Mädchen von der Straße aufliest, und Odo , der ihm schon seit Jahren dient, gerade recht. Doch sein Herz streikt, denn er hat gerade den ersten der vier, grünleuchtenden Steine, die ebenfalls zu seiner Unsterblichkeit beitragen sollen, geschluckt, und er braucht Hilfe. Ausgerechnet Sybil und Odo müssen ihm jetzt helfen. Bei diesem Vorhaben wachsen Sybil und Odo immer mehr zusammen und eine kleine, auf wackligen Füßen stehende Freundschaft entsteht. Jedoch ist Odo zuerst nur darauf aus, seinem Herren, aus Angst vor dem Hungertod und auch ein wenig aus Habgier, das Geheimis des Goldmachens zu entlocken. Doch dann ist da noch der goldgierige und verfettete Stadtvogt Bashcroft mit seiner ihm untergebenen Helferin, der Apothekerin, die sich den zwei Freunden in den Weg stellen. Aber Sybil und Odo haben auch Verbündete, den Mönch Wilfrid und den kleine Alfric. Alfric wurde von Bashcroft gekauft und in das Haus des Alchemisten losgeschickt, um dessen grüne Augen zu holen. Diese werden nämlich gebraucht, um das Buch ohne Worte lesen zu können, das Thorston gehört. Thorston macht während seines vermeintlichen Dahinscheidens undeutliche Aussagen, nur jemand mit den grünen Augen könne das Buch lesen, das Zauberformeln und -sprüche beinhaltet.
Das Buch ist auf jeden Fall von Anfang bis zum Schluss spannend! Vor allem wurde mir an einigen Stellen klar, dass das Mittelalter eine völlig andere Zeit ist. Das wird besonders deutlich, als die 13-jährige Sybil an einer Stelle über ihr Leben und über die Zeit, bevor Thorston sie zu sich nahm, nachdenkt: „Sie dachte an das, was sie zu essen gehabt hatten - nicht viel. An Krankheit und Tod der Eltern - nichts Besonderes. An die Weigerung der Verwandten, sie aufzunehmen - normal. Sie dachte daran, wie sie alleine auf der Suche nach Nahrung und Arbeit nach Fulworth gezogen war. An die Hungertage. Daran, wie dankbar sie gewesen war, als Thorston sie von der Straße aufgelesen hatte, damit sie seine Magd werden würde. Bis heute waren ihre Tage einsam und freudlos. Habe ich jemals richtig gelebt?, fragte sie sich. Ich könnte genauso gut tot sein.“ In den verwinkelten und verdreckten Gassen Fulworths herrscht großer Not und Ungerechtigkeit. Während die hungerleidenden Obdachlosen mit ihren Kindern auf dem Boden liegen und verzweifelt die reichen Leute, die sich nicht oft in den verwinkelten Gassen blicken lassen, anbetteln, schlägt sich der Stadtvogt, der sich jeden Vorteil für sich rausnimmt, am anderen Ende der Stadt den Bauch voll. Wie sehr ich Bashcroft, diesen Zyniker, verabscheue, wird mir besonders an der Stelle klar, als er Alfric, der auch keine Eltern mehr hat, einem Kneipenbesitzer abkauft: „’Also dann, Alfric’, sagte Bahcroft, ‚du bist dir doch darüber im Klaren, dass Gott die Kinder nur in die Welt gesetzt hat, damit sie ihren erwachsenen Herren dienen, oder?’, Alfric nickte.“Diese Textstelle schockierte mich dermaßen, dass ich richtig erbost über Bashcroft war wegen der Art, wie respektlos er anderen Menschen gegenübertritt. Auch durch die genauen Beschreibungen wird einem schnell bewusst, dass das Sattwerden für viele Menschen im Mittelalter damals ein alltägliches Problem war. Schon auf der ersten Seite wird man mit dem Gestank von verrottetem Heu und faulenden Innereien konfrontiert. Obwohl die Hässlichkeit der Personen schonungslos dargestellt wird, gibt es doch auch Lichtblicke. Mit Sybil identifiziert man sich gerne, besonders weil sie von Mal zu Mal schlauer handelt und mit der Zeit auch das Gute in der Welt und den Menschen sieht. Das Buch ist sehr informativ und packend geschrieben, jedoch fehlt es mir manchmal etwas an Fröhlichkeit.
Wer ein spannendes Buch mit historischem Hintergrund mit viel Gefühl und einer Prise Tragik sucht, dem ist mit „Das Gold des Alchemisten“ auf jeden Fall geholfen.
4 Lesepunkte
(Franziska Schlaffner, 7. Klasse)
Stefan Zweig : Joseph Fouché, Bildnis eines politischen Menschen.
S.Fischer Verlag, 1977, 46. Aufl.
Stefan Zweig legt 1929 mit der Biografie von Joseph Fouché die Geschichte eines ansonsten weitgehend Unbekannten vor. Zwar taucht Fouché zwangsläufig immer wieder im Zusammenhang mit der Zeit der französischen Revolution auf, aber dies meist nur sehr vage und mit Klischees behaftet. In diesem Buch erfährt man vieles aus dem ereignisreichen Leben des Mannes, viel über Politik und wie Entscheidungen oft zustande kommen. Zweig zeigt, warum sich der mächtige Weltherrscher Napoleon und der einflussreiche Intrigant Fouché fast gleichstark gegenüberstehen und warum Fouché unter so verschiedenen Herrschern wie Robespierre und Napoleon dienen konnte und sie doch beide politisch überlebte. Sein Talent bestand offenbar darin, sich rechtzeitig auf die Seite des Stärkeren zu schlagen.
Joseph Fouché, Sohn von Kaufleuten, wird Priesterlehrer (ohne das Gelübde zu leisten), schließt sich dann der Revolution an. Er stimmt, nach langem Zögern, als Abgeordneter der Nationalversammlung für den Tod des abgesetzten Ludwigs XVI. und wird berühmt als der Henker von Lyon und Plünderer der Kirchen. Doch als sich der Wind dreht, sagt er sich ohne Skrupel von seinen früheren Überzeugungen los. Gut beschrieben ist sein Konflikt mit Robespierre, dem Anführer der französischen Revolution, zu dessen Sturz er entscheidend beiträgt. Er dient sowohl dem Direktorium als auch dem aufsteigenden Napoleon als Polizeiminister. Meisterhaft beschreibt Zweig die wechselseitige Abhängigkeit zwischen dem heißblütigen Napoleon und dem kalt berechnenden Fouché, der von Napoleon zwar mehrfach abgesetzt wird, jedoch in Krisen immer wieder auftaucht. 1808, während des Krieges gegen Spanien, verbünden sich die beiden Feinde Talleyrand und Fouché (die sich charakterlich sehr ähnlich sind) kurzzeitig gegen Napoleon. Zunächst erweist sich Napoleon als der Stärkere, Fouché wird mehrfach ins politische Exil verschickt. Doch am Ende ist es Fouché, der die Verschwörung gegen Napoleon organisiert und seinen Sturz herbeiführt - und Ludwig XVIII. zur Macht verhilft. Dies ist sein entscheidener Fehler, wie Zweig sehr gut schildert, denn die neue königliche Regierung brauchte zwar das politische Genie Fouchés zur Erringung und Festigung der Macht, doch besonders die Herzogin von Angouleme, die Tochter Ludwigs XVI. erzwingt seinen endgültigen Sturz und bitter sind seine letzten Tage in Linz und Triest. So wie Fouché alle seine Mitstreiter verraten hat, so hält auch keiner mehr zu ihm, als er endgültig nicht mehr gebraucht wird und einsam am 26. Dezember 1820 stirbt.
Es ist schwierig eine Rezension über dieses Buch zu schreiben, denn es kommt darauf an, was man von diesem Buch erwartet.
Wenn man ein nettes Buch zur Unterhaltung erwartet, das leicht zu lesen ist, dann wird man enttäuscht sein, denn es ist recht trocken geschrieben und nicht immer gut verständlich. Dies liegt zum einen an der teilweise altertümlichen Sprache, teilweise aber auch an den französischen Ausdrücken und den Zeitangaben in der in der französischen Revolution verwendeten Zeitrechnung.
Falls man allerdings eine Zusammenfassung des Lebens eines interessanten Charakters lesen möchte, oder ein Geschichtsbuch erwartet und sich mit der Französischen Revolution und den beteiligten Personen auskennt, Anspielungen richtig einordnen kann und nicht davor zurückschreckt, manche Sätze doppelt zu lesen, dann wird man Spaß mit diesem Buch haben.
Faszinierend an diesem Buch finde ich auch die psychologischen Studien und die politischen Zusammenhänge, die Zweig zieht. Sie werden einem durch dieses Buch erst richtig bewusst. Zweig versteht es, alle Aspekte von Fouchés zwielichtiger Persönlichkeit auszuleuchten und gleichzeitig das doch spannende Umfeld der französischen Revolution und der napoleonischen Ära in den Zusammenhängen darzustellen.
Fouché war kein geschichtlicher Einzelfall, wir begegnen noch heute seinen kleinen und großen Nachfolgern überall. Dies macht das Buch zeitlos und auch heute noch, für geschichtlich Interessierte, lesenswert.
4 Lesepunkte
(Alexander Wein, 11 c)





