Das Fach Sozialkunde stellt sich vor

Bundes- und Landesflagge, das Wappen des Landkreises Berchtesgadener Land und die Wappen seiner Gemeinden

Das Fach Sozialkunde ist als Leitfach der politischen Bildung am Gymnasium Pflichtfach für alle Schüler in den Jahrgangsstufen 10 mit 12. In seinem Zentrum stehen der Mensch als soziales und politisches Wesen, die wichtigsten Formen des gesellschaftlichen Zusammenlebens, die demokratische Gestaltung der staatlichen Ordnung und die Mitgestaltung der internationalen Politik. Übergeordnete Zielsetzung ist, die Schüler auf der Grundlage des Menschenbildes der Demokratie zu eigenverantwortlichem Handeln, Urteilsfähigkeit und zur Übernahme von Verantwortung in der Gesellschaft zu erziehen.

Am Rottmayr-Gymnasium wird im Rahmen des Sozialkundeunterrichts besonderer Wert auf eine realitätsnahe und -bezogenen Vermittlung gelegt. Daher werden Vorträge und Exkursionen veranstaltet, u.a.

-Fahrten in den Bayerischen Landtag

-ein Besuch von Innenministerium und Staatskanzlei in München

-ein Seminar im Bildungszentrum Wildbad Kreuth

-gesonderte Berlinfahrten

-Besuche bei MdB Dr. Ramsauer und MdB Dr. Kofler und des Bundestages im Rahmen der Berlinfahrt der 11. Klassen

 

 

Fachschaftsmitglieder

In der Fachschaft Sozialkunde unterrichten:

StDin Martha Bauer-Gantner

StRin Barbara Utzmeier (Fachbetreuung)

Berlinfahrt 2006

Kann man innerhalb von 44 Stunden minus etwa 14 Stunden Schlaf Berlin erleben? Um diese Stadt kennenzulernen, ist das selbstverständlich nicht genug, aber um bleibende Eindrücke zu gewinnen, reichen oftmals Augenblicke aus.

Um diese Erfahrung bereichert verließen 18 Kollegiaten, hauptsächlich aus der K13 und dem Grundkurs Sozialkunde, in Begleitung von Frau und Herrn Utzmeier am 29. September 2006 die deutsche Hauptstadt. Die zurückliegenden Tage waren zwar anstrengend, doch jede Entbehrung wert: Am 27. September erreichten wir mit dem Bus gegen Abend Berlin. Nachdem wir unser Hotel bezogen hatten, machten wir uns auf den Weg zum Reichstag, schließlich stand dieser Aufenthalt unter dem Aspekt "Lernort Staatsregierung " . Entlang der Spree konnte man zum ersten Mal das Flair Berlins wahrnehmen, das diese Stadt so unvergleichlich macht. Dieses Gefühl verstärkte sich in der Reichstagskuppel, die einen atemberaubenden Blick auf Berlin und den Bundestag ermöglicht. Zudem besichtigten wir das Regierungsviertel, das durch Prunk und Größe die Bedeutung der aus Berlin kommenden Politik unterstreicht.

Am nächsten Morgen folgte eine Stadtrundfahrt per Bus, bei der sich Eindrücke der Stadt manifestierten, die sich bei Nacht nur erahnen ließen. So verfolgten wir Spuren des Kalten Krieges, des geteilten Deutschlands und aktueller Brennpunkte wie Emigration und Ghettobildung. Vorbei am Checkpoint Charlie, an Relikten der Mauer und durch das "deutsche Istanbul " Kreuzberg erweckte Berlin mehr und mehr den Anschein einer "Stadt der Gegensätze " : neben prunkvollen oder hochmodernen Gebäuden wie dem Berliner Hauptbahnhof statuierten Langzeit-Baustellen ein bedrohliches Exempel deutscher Staatsverschuldung. Zudem war es für uns häufig kaum wahrnehmbar und verwirrend, ob wir uns auf dem Boden des ehemaligen West- oder Ostberlins bewegten.

Im Anschluss an die Stadtrundfahrt besuchten wir die Bayerische Landesvertretung. Dort wurden wir durch Gespräche mit unterschiedlichen Vertretern in die Arbeitsweisen der Bayerischen Landesvertretung eingeführt. So legte uns Doris Schneider die umfangreichen Aufgaben ihrer Vorgesetzten Emilia Müller, Staatsministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, dar. Hierbei erfuhren wir viel Wissenswertes über den Alltag der Politikerin, z.B. über ihre Regelung des ständigen Ortswechsels zwischen Bayern und Berlin. Im darauf folgenden Gespräch mit der Regierungsrätin Dominika Engelke erhielten wir Informationen über die Angelegenheiten des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus sowie Wissenschaft und Forschung in Berlin. Thematisiert wurde dort unter anderem die damals aktuelle Debatte bezüglich des Föderalismus der Bundesrepublik, die wir schon vorbereitend im Unterricht besprochen hatten. Vor allem hatten wir uns zu dieser Zeit mit der Problematik der 16 verschiedenen deutschen Bildungssysteme und mit Differenzen im föderalen Justizvollzug auseinandergesetzt. Hierzu konnten wir Fragen stellen, die uns anschaulich und informativ beantwortet wurden.

Das zentrale Ereignis unserer Berlinfahrt war jedoch womöglich die anschließende Besichtigung des ehemaligen Staatssicherheits-Gefängnisses Hohenschönhausen. Die Führung leitete zum allgemeinen Erstaunen ein ehemaliger Insasse des Gefängnisses, der nicht nur schockierende Fakten über Hohenschönhausen allgemein, sondern auch eigene Erfahrungen in die Führung einfließen ließ. So warfen wir, unter anderem, einen Blick in die Zelle, in der unser Leiter Jahre zubringen musste, in Verhörzimmer und diverse Folterzellen. Dabei wurden uns die immensen Menschenrechtsverletzungen vor Augen geführt, die sich während des DDR- Regimes ereignet hatten. So bestand die Foltermethode der Stasi hauptsächlich nicht aus physischer, sondern aus psychischer Peinigung durch Isolation, Desorientierung und Fehlinformationen über Familienangehörige. Sich im Laufe seiner Erzählungen in die Situation eines Insassen hinein zu empfinden, war ebenso ergreifend wie schier unmöglich. Umso verwunderlicher wirkte auf uns die Tatsache, dass unser Leiter mehrmals pro Woche freiwillig an den Ort seiner Peinigung zurückkehrt. Selten war während einer Busfahrt eine intensivere Stille wahrnehmbar, als während der Rückkehr zum Hotel. Am Abend dieses Tages genossen die meisten von uns noch die Atmosphäre Berlins, indem wir z. B. durch das Brandenburger Tor und anschließend durch das Holocaust Mahnmal gingen. Bei Nacht kann dieses Denkmal für den Einzelnen eine ganz eigene Wirkung entfalten, einzuordnen zwischen Schuldgefühl, Ohnmacht und Faszination.

Am dritten und letzten Tag besuchten wir das Berliner Abgeordnetenhaus. Nach kurzer Führung, unter anderem mit Einblicken in die Geschichte des preußischen Parlamentarismus, ermöglichte man uns Gespräche mit Abgeordneten des Berliner Senats aus den Reihen von FDP, PDS und CDU. Interessant und zum Teil auch amüsant war es für uns die zwischenparteilichen Streitereien direkt mitzuerleben, die stark an politische Wahlkämpfe erinnerten. So fanden diese Diskussionen noch mit dem Hintergrund der kürzlich abgehaltenen Landtagswahlen statt, während die Koalitionsverhandlungen gerade vonstatten gingen. Im Laufe des Gesprächs wurden unter anderem Themen wie die Frau zwischen Familie und Arbeit, Ausländerintegration in Arbeits- und Sozialwesen und die Ost-West- Diskrepanz als Folge des Mauerfalls diskutiert. Vor allem die letzteren beiden Themen stießen in unseren Reihen auf großes Interesse, da sie an keinem Ort Deutschlands präsenter sind, als in Berlin.

Im Anschluss daran traten wir mittags, ein klein wenig müde, die Heimreise an. Für einen Großteil von uns war das der erste Eindruck dieser atemberaubenden Metropole, wird aber vermutlich nicht der letzte bleiben.

Verena Vordermayer, K13